Plagge Gruppe

Die „Plagge-Gruppe“ um Michael Good, einen US-amerikanischen Arzt und Sohn von Überlebenden des Holocaust in Litauen, fand sich zusammen, als Michael Good nach einem Besuch mit seinen Eltern im heutigen Vilnius von seiner Mutter Pearl Good ihre Rettungsgeschichte erfahren hatte. Sie erinnere sich nur an den Namen „Major Plagge“, dem sie mit ihren Eltern und weiteren jüdischen Familien 1944 ihr Leben zu verdanken habe – wer war dieser Major Plagge? Michael Good verschickte mit dieser Frage eine E-Mail „To whom it may concern“ rund um den Globus. Die Suchanfrage gelangte mit Hilfe des Hamburger Kaufmanns Salomon Glaczko, einem gebürtigen jüdischen Litauer, zu dessen Partner Jörg Fiebelkorn, einem pensionierten  Bundeswehroffizier, der über die Wehrmachtsakten im Bundesarchiv die Personendaten Karl Plagges in Erfahrung brachte: Plagge stammte aus Darmstadt. Über die Stadtverwaltung gelangte die Anfrage schließlich an das Archiv der Technischen Hochschule Darmstadt (heute Universität) und dort zu dessen Leiterin, Dr. Marianne Viefhaus, die entscheidende Archivbestände ermitteln und Kontakt zu Familienangehörigen Karl Plagges herstellen konnte. Die „Plagge-Gruppe“ umfasste jene Menschen, die in den Jahren zwischen 2000 und 2004 die Lebensgeschichte und Rettungsarbeit Plagges im damaligen Wilna Schritt für Schritt recherchiert und die Ehrung des früheren Wehrmachtsmajors als „Gerechter unter den Völkern“ erreicht hat, die im Sommer 2004 von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem zuerkannt und im April 2005 poshum feierlich verliehen wurde. Zu der Gruppe gehören weitere von Karl Plagge Gerettete aus dem Kfz-Reparaturbetrieb in Wilna, die sich der Suche nach ihrem damaligen Retter angeschlossen haben: neben den bereits genannten Pearl Good und deren Sohn Michael Good (USA), Salomon Glaczko und Jörg Fiebelkorn (Hamburg) sowie Dr. Marianne Viefhaus (Darmstadt) auch der Kernphysiker Dr. Bill Begell (New York), Dr. Simon Malkes (Paris). Die erfolgreiche Suche wurde mit Informationen und Dokumenten aus dem heutigen Vilnius unterstützt, u.a. von den ebenfalls von Karl Plagge geretteten. Brüdern Isaak und Josif Reches dem litauischen Komitee ehemaliger KZ- und Ghettohäftlinge sowie von der Forschungsarbeit des Freiburger Militärhistoriker Wolfram Wette. Über die Stadtverwaltung gelangte die Anfrage schließlich an das Archiv der Technischen Hochschule Darmstadt (heute Universität) und dort zu dessen Leiterin, Dr. Marianne Viefhaus, die entscheidende Archivbestände ermitteln und Kontakt zu Familienangehörigen Karl Plagges herstellen konnte, auch zu Plagges Patensohn Konrad Hesse.

Aus den bis 2004 erfolgten Nachforschungen ergaben sich nicht nur die rekonstruierte Lebensgeschichte des früheren Wehrmachtsmajors Karl Plagge und ein Bild seines lebensrettenden Verhaltens während des Holocaust in Vilnius unter der deutschen Beatzung 1941 bis 1944. Darüber hinaus entwickelte sich nach dem Bekanntwerden der Ehrung Karl Plagges 2005 ein internationales Plagge-Netzwerk, dessen Mitglieder durch persönlichen und durch E-Mail-Austausch, durch Treffen und Mitwirkung bei Veranstaltungen untereinander vernetzt geblieben sind. Die Darmstädter Geschichtswerkstatt e. V. ist Teil dieses Netzwerks.

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