„Es führt kein Weg zurück …“

Lieder und Texte zum Untergang des jüdischen Wilna vor 80 Jahren
Eine Veranstaltung der Darmstädter Geschichtswerkstatt

am        Mittwoch, 11. Oktober 2023
um        19 Uhr
im          Foyer des Justus-Liebighauses (1. Stock)

Im September 1943 „liquidierte“ die deutsche Besatzungsmacht nach mehr als zwei Jahren Terrorherrschaft das Ghetto von Wilna. Von 60.000 Jüdinnen und Juden, die vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Wilna gelebt hatten, lebten zwei Jahre später gerade noch etwa 20.000 als Gefangene im Ghetto. 

Das Ende des Ghettos von Wilna war der endgültige Todesstoß für das jüdische Wilna, das seit dem Überfall der deutschen Armeen und Mordkommandos im Juni 1941 planvoll auf seinen Untergang zugetrieben wurde. Das Ghetto zerstörten die deutschen Besatzer baulich nur zum Teil. Ihr Fokus lag auf der Vernichtung der Menschen, der damals im Ghetto gefangenen jüdischen Kinder, Frauen und Männer jeden Alters. Zehntausende waren seit dem Einmarsch der Deutschen im Juni 1941 in der Stadt selbst und bei Ponary, einem Hinrichtungsort der SS-Schergen in einem Wäldchen nahe Wilna, ermordet worden. Andere wurden entweder schubweise unter Qualen in Arbeits- und Vernichtungslager in Lettland, Estland, Polen sowie weitere in weit entfernte Konzentrationslager verschleppt und dort ermordet oder auf Umwegen über die estnischen Lager in die Lager des Unternehmens „Wüste“ zwischen Schwäbischer Alb und Schwarzwald verschleppt. Nur sehr wenige der deportierten Wilnaer Jüdinnen und Juden überlebten. Manche, weil es dem aus Darmstadt stammenden ehemaligen Major Karl Plagge gelang, sie vor der Deportation zu warnen und so zu schützen. Wir kennen ihre und seine Geschichte, weil einige dieser Überlebenden vor 25 Jahren begonnen haben, nach Karl Plagge zu suchen. Sie haben die Lebensspuren des schon 1957 Verstorbenen hier in unserer Stadt gefunden. Heute, 80 Jahre danach, erinnern wir an sie und an die ermordeten Wilnaer Juden und Jüdinnen und berichten von denen, die den Mördern Widerstand entgegengesetzt haben.

„Es führt kein Weg zurück …“ ist eine Verszeile aus dem „Ponary-Wiegenlied“, einem im Ghetto entstanden Lied voller Trauer und am Ende auch Hoffnung auf wiederkehrende Freiheit. Es steht für den kulturellen und geistigen Widerstand im Ghetto. Susanne Reerink (Gesang) und Martin Landzettel (Bratsche) werden mit diesem und weiteren Liedern aus dem Wilnaer Ghetto zur Erinnerung an den Untergang des „Jerusalem des Nordens“ beitragen.

Integriert sind diese Lieder als historische Quellenbeiträge in eine Kombination aus Vortrag und Lesung: Wir lesen Passagen aus Tagebüchern und Erinnerungen von ermordeten und überlebenden Zeitzeug*innen. Der Vortrag kontextualisiert die Zeitzeugnisse, berichtet von der Errichtung des Ghettos bis zu dessen Auflösung sowie von den folgenden Massenmorden und Deportationen in Arbeits- und Vernichtungslager. Vor allem aber erinnern wir an die bewundernswerte Selbstbehauptung und den Widerstand gegen die deutsche Übermacht und die Rettungsaktion des Darmstädter Wehrmachtsoffiziers Karl Plagge, der am Vorabend der Ghettoauflösung mehrere hundert Häftlinge vor der Deportation retten konnte.   

Den Zeitzeug*innen leihen fünf Schüler*innen der Bertolt-Brecht-Schule Darmstadt ihre Stimme. Mit ihrer Lehrerin Kirsti Ohr haben sie sich seit Schuljahresbeginn vorbereitet: Im Dialog Rollen verteilt, Textpassagen arrangiert und danach gemeinsam mit Klaus Upmeyer, der als DSP-Kollege der BBS den Fachvortrag übernahm, das Vortragen einstudiert. 

Das Interesse an der Gedenkveranstaltung im Foyer des Justus-Liebig-Hauses war so groß, dass vor Beginn der Veranstaltung noch etliche Stühle nachgestellt wurden und vor allem jugendliche Anwesende an den Fensterbänken angelehnt standen und der Veranstaltung konzentriert folgten.

zum Nachlesen
>>>>Darmstädter Echo: Geschichtswerstatt erinnert an jüdisches Wilna

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu. Diese Webseite bettet Videos ein, die auf dem Videoportals Vimeo der Vimeo, LLC, 555 West 18th Street, New York, New York 10011, USA hinterlegt sind. (Siehe Datenschutzerklärung)

Datenschutzerklärung